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„Wir haben vermutet, dass Strauß und die DDR das gleiche Interesse haben: Nämlich zu bestimmen, wer berichten kann und wer nicht.“

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SZ-JOURNALIST HELMUT LÖLHÖFFEL ÜBER EINE FAHRRADTOUR IN DER SCHORFHEIDE – UND WIE STRAUß UND HONECKER EINANDER BRAUCHTEN.

 

 

Helmut Lölhöffel ist als DDR-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung in Ost-Berlin akkreditiert. Die SZ ist Strauß kritisch gegenüber eingestellt. Als Strauß bei Honecker zum Foto-Termin auf Schloss Hubertusstock auftaucht, wird er nicht eingeladen. Zufall? Was sagt das über die Strauß-Inszenierung auf dessen Privatreise durch die DDR?

 

 

INTERVIEW

 

Zum Treffen von Honecker und Strauß waren nur eine Handvoll Journalisten zugelassen. Unter anderem ein BILD-Kollege. Sie als DDR-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung durften nicht hin. Warum eigentlich?

 

Woran das lag weiß ich bis heute nicht. Die BILD war ja auch gar nicht offiziell mit einem DDR-Korrespondenten in Ost-Berlin akkreditiert.

 

Ich bin dann mit einem roten Diamant-Fahrrad durch die Schorfheide geradelt, in Turnhosen, damit die Stasi mich nicht als Westkorrespondent erkennt. Als Tourist verkleidet. Der da durch die Schorfheide radelt und sich die Tannen anguckt. Es war ein Sonntag Vormittag und wunderschönes Wetter.

 

Ich kam dann nur bis ans Tor und wurde gebeten, doch diesen Ort zu verlassen. Das sei Sicherheitszone. Wir haben vermutet, dass Strauß und die DDR das gleiche Interesse haben: Nämlich zu bestimmen, wer darüber berichten kann und wer nicht. Weil sie auch das Gleiche Interesse haben an dem, was sie da verhandelt haben.

 

Das ist ja schon einigermaßen skurril…

 

Das ist sehr skurril und ein merkwürdiges Zusammenspiel von CSU und SED.

 

Wer hatte eigentlich ein Interesse daran dass diese Bilder gezeigt werden?
Sicherlich gab es von beiden Seiten das Interesse, den Menschen zu zeigen: Wir sind doch fähig, Tatsachen anzuerkennen. Der Honecker wusste, er muss mit Strauß reden – und der Strauss wusste, er muss mit den Staatsführern im Osten sprechen.

 

 

Wie war die Haltung der DDR-Bürger zum Politiker Strauß?

 

Die Menschen waren reserviert ihm gegenüber. Die wenigen, die ihn später gesehen haben in Dresden – so viele waren das ja nicht. Da sind ja keine Massen rumgelaufen wie bei Willy Brandt etliche Jahre vorher. Ich kannte damals keinen DDR-Bürger, der ihn gut fand.

 

 

Was hielten Sie eigentlich vom Milliarden-Kredit für die DDR?

 

Ich hatte damals die Meinung, dass dieser Kredit wie jeder Kredit an die DDR nützlich ist, weil man dafür Gegenleistungen bekommt. Ich habe hier aber keine erkannt. Der Milliardenkredit wurde gegeben, und es waren keine Gegenleistungen erkennbar.

 

Vielleicht sind sie in Geheimverhandlungen ausgehandelt worden, aber dieser Milliardenkredit ging gegen alles was Strauß bis dahin gesagt hatte. Er hatte der damaligen SPD-FDP Koalition vorgeworfen, sie sei gegenüber der DDR zu nachgiebig und würde in Vorleistung gehen. In diesem Fall hat er es dann selbst getan.

 

Es wird heute von einigen Ökonomen noch gesagt, dass dieser Milliardenkredit das ökonomische Überleben der DDR verlängert hat. Und das muss Strauß gewusst haben!

 

 

 

Später, als Strauß in Dresden war, sind Sie mit ihm aneinandergeraten…

 

Dazu muss man wissen, dass die Süddeutsche Zeitung nicht seine Lieblingszeitung war.

Ich habe damals im Vorfeld seines Besuchs geschrieben – sinngemäß – er hätte sich selber eingeladen. Ich glaube heute noch dass das so war.

 

Als ich Strauß darauf in Dresden ansprach, wurde er wütend und verlangte, dass ich das zurücknehme. Vorher würde er mir keine weiteren Antworten geben. Ich müsste erst schreiben, er wäre von der DDR eingeladen worden.

 

Und was haben sie ihm gesagt?

 

Ich habe weiter meine Fragen gestellt. Aber ich kam gar nicht zu Wort. So ein Redeschwall kam auf mich nieder. Er hätte mich fast in die Elbe geworfen. Die damals Niedrigwasser hatte.

Das war typisch Strauß: Dass er Journalisten, die ihm missliebig waren oder die irgendwas geschrieben hatten, was seiner Meinung nach nichts zur Sache tut, einfach frontal anging und zur Rede stellte. In Verkennung der Tatsache, dass Journalisten ihre Informationen eben nicht nur von ihm alleine beziehen.

 

 
HIER ist der Film in der ZDF mediathek zu sehen.