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TSCHERNOBYL ’86 – DEUTSCHLAND UND DER GAU

 
Themenbild Tschernobyl
 
AM 26. APRIL 1986 NACHTS UM 1 UHR 24 EREIGNET SICH IN BLOCK VIER DES LENIN-KRAFTWERKS IN TSCHERNOBYL DIE BIS DAHIN GRÖßTE ATOMKRAFT-KATASTROPHE UNSERER ZEIT. WAS PASSIERTE IN DEUTSCHLAND UNMITTELBAR NACH DEM GAU?
 
 
30 Jahre später ist die Tragödie vor Ort längst nicht zu Ende, und auch in Deutschland erinnern sich viele Menschen intensiv an die Unsicherheit nach dem Unfall.
 
Meteorologe Wolfgang Kusch gehört zu den ersten in der Bundesrepublik, die überhaupt vom GAU erfahren. Er arbeitete damals beim Deutschen Wetterdienst in Offenbach. Wir treffen ihn und wollen wissen: Konnten die zuständigen Politiker nicht wissen, wo in der Bundesrepublik radioaktiv verseuchter Regen niedergehen wird?
 
Die Reaktionen in der Bundesrepublik sind damals enorm. Der damalige Forschungsminister Heinz Riesenhuber muss vor die Mikrofone. Er glaubt damals an die Kernkraft. Trotz allem. Ruhe bewahren, sagt er heute, sei die wichtigste Pflicht der Politik gewesen – auch wenn dabei wichtige Informationen unter den Tisch vielen.

 
Vor allem Bürger in Süd-Deutschland, wie die Familie Batzill, nehmen den Verantwortlichen das bis heute übel. Sie wurden nicht vor dem verstahlten Regen gewarnt, der über ihnen niederging.

 
Über den Stand der Dinge zu informieren und Messwerte einzuordnen – das übernahmen im südlichen Baden-Württemberg dagegen junge Wissenschaftler der Universität Konstanz in Eigenregie. Der junge Physiker Gerhard Lindner misst nach, was vom Himmel kommt und informiert in Bürgerversammlungen besorgte Anwohner.

 
Auch in der DDR erfahren die Menschen vom Unglück in Tschernobyl. Politisch sägt das an der Macht des Regimes. Lebt die Macht der Kommunistischen Partei in der Sowjetunion doch vom Nimbus des unbesiegbaren Fortschritts. Im Kernkraftwerk in Greifswald fragt sich damals der Ingenieur Jürgen Ramthun, wie es zum Unglück kommen konnte. Und weiß, dass ein solcher Unfall in der DDR nicht möglich ist.

 
Die Oppositionsbewegung in der DDR wird dagegen hellhörig. Wolfgang Rüddenklau, jahrelang engagiert in der Umweltbewegung in der DDR und Mitgründer der Umweltbibliothek, erklärt, wie der GAU die Macht der SED untergraben hat.

 
So entsteht in diesem Film ein dichtes Panorama von Eindrücken rund um die ersten Tage nach dem GAU – und die genaue zeitliche Abfolge macht noch einmal deutlich, dass die Politik die Bürger nicht so informierte, wie es möglich gewesen wäre. 30 Jahre ist der Ausstieg aus der Kernenergie beschlossene Sache.

 
 
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Ein Film von STEFAN EBLING
 
Kamera: Alexander Grießer, Patrick Frei, Mirko Schernickau
Ton: Dieter Schultz, Bertin Molz
Schnitt: Patrick Frei
Grafik: Alexander Weil
Producer: Ella Hartung
Produktion: Bewegte Zeiten Filmproduktion
Redaktion ZDF: Sylvia Förster